Wilhelm Joest and the Intimacies of Colonial Collecting

Wie könnte Provenienzforschung aussehen, die nicht nur das Wie der Herkunft von Objekten behandelt, sondern auch das Warum? Dieses Projekt versucht diese Frage anhand des umfangreichen Nachlasses des Kölner Ethnologen Wilhelm Joest zu beantworten. In seinen Tagebüchern beschreibt Joest sein oft widersprüchliches Verhältnis zu den von ihm gesammelten Objekten, von denen sich heute ca. 5000 in verschiedenen europäischen Museen befinden. Zwischen Sehnsucht, Verlangen und Abscheu offenbart sich hierbei eine Beziehung zwischen Sammler und Objekten und creator communities, die jenseits von rein wissenschaftlichen oder ästhetischen Überlegungen auf die zutiefst intime Bedeutung von Sammeln in der Kolonialzeit hindeutet. Inspiriert von den theoretischen Überlegungen der Anthropologin Ann Laura Stoler zu „colonial intimacies“ soll in diesem Projekt ein Ansatz entwickelt werden, um diese Intimitäten kolonial Sammelns sichtbar zu machen. So soll eine neue Perspektive auf die Provenienzforschung entstehen, die neben der materiellen Historie eines Objekts auch dessen emotionale Verwobenheit in der kolonialzeitlichen Gesellschaftsordnung deutlich macht und so neben der Restitution weitere Möglichkeiten für die Dekolonisierung ethnographischer Sammlungen aufzeigt.

Laufzeit: 2019-2023

Projektförderung: Fritz Thyssen Stiftung, Museumsgesellschaft RJM e.V.

Kooperation: University of Amsterdam – School of Historical Studies

Projektmitarbeiter: Carl Deußen