7. Mai bis 30. August 2026

WE ARE WHAT WE ARE NOT

Was fehlt, erzählt seine eigene Geschichte.

Wenn Objekte aus einer Museumssammlung verschwinden, bleiben Spuren zurück: Katalogeinträge, Inventarnummern, Klassifikationssysteme. Sie markieren, was weg ist – ersetzen es aber nicht. Das Fehlende bleibt als Gespenst im Archiv.

WE ARE WHAT WE ARE NOT zeigt keine Objekte aus den Beständen des RJM. Die Ausstellung des Kurators und Künstlers Yohannes Mulat Mekonnen richtet den Blick auf das, was nicht mehr da ist – und fragt, was diese Abwesenheiten über das Museum, seine Geschichte und seine Machtstrukturen erzählen

Sein Ansatz ist zugleich analytisch und poetisch, theoretisch und sinnlich, ernst und humorvoll. Als Antwort auf eine fehlende afrikanische Kopfstütze hat Mekonnen Träume gesammelt – keiner davon gehört zur Sammlung – und sie in einer immersiven Installation hörbar gemacht, in der die Besucher*innen eingeladen sind, in diese Träume hineinzuschlafen. Er hat das Archiv nach essbaren Objekten durchsucht und daraus eine Dinner-Performance entwickelt. In seinen Mixed-Media-Installationen, Filmen und Fotografien wird theoretische Untersuchung zu sinnlicher Erfahrung – und die rigoroseste Antwort auf Verlust kann auch die unerwartetste, die zärtlichste und manchmal die heiterste sein. Die Besucher*innen sind eingeladen, Abwesenheit nicht als Mangel zu lesen – sondern als Anfang.

Die Ausstellung wird im Rahmen eines Gerda Henkel Fellowships realisiert.

English version available here.

Mehr über die Ausstellung erfahren

Begleitprogramm

Führung mit Yohannes Mulat Mekonnen in engl. Sprache

Sonntag, 17. Mai 2026, 14 Uhr: Führung durch die Sonderausstellung WE ARE WHAT WE ARE NOT mit dem Künstler und Kurator Yohannes Mulat Mekonnen. Die Führung findet in engl. Sprache statt.

ARTIST TALK mit Yohannes Mulat Mekonnen und Nanette Snoep

Mittwoch, 20. Mai 2026, 17:45 Uhr: Ein Gespräch zwischen dem Künstler und Kurator Yohannes Mulat Mekonnen und der künstlerischen Direktorin des RJM, Nanette Snoep, über die neue Ausstellung We Are What We Are Not.

Im gemeinsamen Austausch diskutieren die beiden die Ideen und künstlerischen Forschungsprozesse, die der Ausstellung zugrunde liegen, und eröffnen zugleich Raum für Fragen und Dialog mit den Teilnehmenden.

Mekonnens Ansatz beginnt mit einer radikalen Geste: Er wendet sich bewusst von der Präsentation von Objekten aus der Museumssammlung ab und rückt stattdessen die Abwesenheit in den Vordergrund – das, was fehlt, verdrängt oder zurückgehalten wird. Dabei setzt er sich auf neue Weise mit der RJM-Sammlung auseinander und überschreitet konventionelle ethnografische Präsentationsformen. In seiner Arbeit etabliert er Handlungen wie Kochen, Zuhören und Träumen als kuratorische Werkzeuge – Gesten, die die Begegnung mit dem Museum vom passiven Betrachten hin zu aktiver Teilnahme verschieben. Abwesenheit wird so zu etwas, das Erfahren, verkörpert, „verdaut“ und transformiert werden kann.

Gemeinsam beleuchten Snoep und Mekonnen den institutionellen Rahmen des Museums und gehen der Frage nach, wie ethnografische Museen auf die kolonialen Verflechtungen ihrer Sammlungen reagieren können, indem sie neue Formen der Auseinandersetzung eröffnen.

Im Zentrum des Gesprächs stehen Fragen nach Abwesenheit, Leerstellen und Erinnerung ebenso wie nach institutionellen Strukturen und der Rolle von Museen in der kritischen Reflexion ihrer eigenen Geschichten und Wissensproduktionen.

Das Gespräch ist als offener, informeller Austausch konzipiert. Besucher*innen sind herzlich eingeladen, sich einzubringen, Fragen zu stellen und direkt mit Yohannes Mulat Mekonnen und Nanette Snoep ins Gespräch zu kommen, um gemeinsam zu erkunden, wie Abwesenheit – sowohl als Konzept als auch als Methode – unser Verständnis des ethnologischen Museums, des Archivs und von uns selbst verändern kann.

Datum: 20. Mai 2026

Uhrzeit: 17:45 Uhr (Einlass bis spätestens 18 Uhr)

Ort: Sonderausstellungsbereich

Preis: € 2 zzgl. Eintritt in die Sonderausstellung

Mehr erfahren

Psychoanalysis Session: Sleeping Inside Another*s Dream

Samstag, 13. Juni 2026 und Sonntag, 14. Juni 2026 mit mit Suraphel Mathewos Alemn und Yohannes Mulat Mekonnen. Sessions ab jetzt buchbar! Tauche ein in den Traum eines anderen Menschen. Verliere Fragmente. Erfinde Erinnerungen. Und verlasse den Raum vielleicht mit einer Geschichte, die nicht mehr ganz deine eigene ist.

Kann ein Museum ein Ort für eine psychoanalytische Sitzung sein?
Im RJM: unbedingt.

Tauche ein in den Traum eines anderen Menschen.
Verliere Fragmente. Erfinde Erinnerungen. Und verlasse den Raum vielleicht mit einer Geschichte, die nicht mehr ganz deine eigene ist.

mit dem äthiopischen Psychoanalyse-Kandidaten Suraphel Mathewos Alemu

Am Wochenende des 13. und 14. Juni 2026 lädt Yohannes Mulat Mekonnens Trauminstallation dazu ein, mitten im Museum einem Psychoanalytiker zu begegnen.

Die Besucher*innen hören Träume, die einst von Fremden geträumt wurden. Anschließend treten sie mit Suraphel Mathewos Alemu ins Gespräch, der Teilnehmende innerhalb der Ausstellung WE ARE WHAT WE ARE NOT empfängt.

Doch Träume lassen sich nicht festhalten. Details verschwinden, Szenen verschieben sich, Erinnerungen vermischen sich mit Fantasie. Langsam beginnt der Traum eines anderen sich wie der eigene anzufühlen.

Zwischen Listening Session, psychoanalytischer Begegnung und performativem Experiment erforscht die Installation, wie Erinnerung durch Auswahl, Auslassung, Fantasie und Rekonstruktion immer wieder neu entsteht. Und vielleicht sind Museen Träumen gar nicht so unähnlich. Auch sie bestehen aus Fragmenten. Aus Leerstellen. Aus Geschichten, die lange nach dem eigentlichen Moment neu zusammengesetzt werden. 

Für ein Wochenende verwandelt sich das Museum in etwas Ungewohntes: halb Archiv, halb Traumlandschaft, halb psychoanalytische Couch.

 

Buchbare Sessions am 13. und 14. Juni 2026

1 12 Uhr bis 12:30 Uhr
2 12:40 Uhr bis 13:10 Uhr
3 13:20 uhr bis 13:50 Uhr
4 14 Uhr bis 14:30 Uhr
5 14:50 Uhr bis 15:20 Uhr
6 15:25 Uhr bis 15:55 Uhr
7 16 Uhr bis 16:30 Uhr
8 16:35 Uhr bis 17:05 Uhr
   

Anmeldung via E-Mail an rjm-veranstaltungen@stadt-koeln.de

Preis: 15 €

Mehr erfahren

Dinner-Performance "EAT A MUSEUM"

Freitag, 19. Juni 2026, 19 Uhr: Im Rahmen der Ausstellung WE ARE WHAT WE ARE NOT lädt Sie der Künstler und Kurator Yohannes Mulat Mekonnen dazu ein, das Museum mit allen Sinnen zu erfahren – das heißt: Sie essen nicht nur im Museum, sondern das Museum selbst. Tickets sind über Rausgegangen erhältlich. 

EAT A MUSEUM ist eine Dinner-Performance, die Kochen und Essen als kuratorische und künstlerische Methoden versteht: als Möglichkeiten, sich durch die RJM-Sammlung zu bewegen, sie zu befragen und neu zu verarbeiten.

Die Gäste sind eingeladen, in der Ausstellung Platz zu nehmen und ein kuratiertes Drei-Gänge-Menü zu genießen, das aus der Sammlung hervorgeht.

Essen, Schmecken, Austausch und Gespräche verbinden sich zu einem gemeinsamen Erlebnis, das neue Perspektiven auf Museen und Sammlungen eröffnet.

Wichtiger Hinweis: Das Drei-Gänge-Menü ist nicht vegetarisch und kann sowohl Fleisch als auch Fisch enthalten. Die Getränke sind im Preis inbegriffen.

Tickets: 30 € zzgl. Gebühr via Rausgegangen (in Kürze buchbar)

Mehr erfahren

Über den Künstler und Kurator

Yohannes Mulat Mekonnen ist ein äthiopischer Filmemacher und multidisziplinärer Künstler, der an der Schnittstelle von visueller Anthropologie, Film und kuratorischer Praxis arbeitet. Derzeit ist er Gerda-Henkel-Forschungsstipendiat am Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln sowie Stipendiat für Visuelle Anthropologie am Global Heritage Lab der Universität Bonn. 

yohannesmekonnen.com