Inhalt
(c) Rheinisches Bildarchiv

Die Schatten der Dinge#1

11. September 2020 bis 3. Januar 2021

Millionen von Dingen aus der ganzen Welt, die insbesondere während der Kolonialzeit gesammelt wurden, werden in europäischen Museen aufbewahrt. Sie haben verschlungene Pfade zurückgelegt, sind von Ort zu Ort gezogen, wurden von einer zur nächsten Hand gereicht. Sie sind von einer Transportkiste in die nächste gelangt, haben sich von einem Regal in eine Ausstellungsvitrine fortbewegt und sind seitdem „Museumsobjekte“ mit einer Inventarnummer geworden. Geschenkt, getauscht, manchmal gekauft, aber oft auch während kolonialer Kriege gewaltvoll geraubt. Das ist die schwierige Geschichte dieser Dinge und um sie drehen sich heute die Debatten über die Zukunft von ethnologischen Sammlungen, die Auseinandersetzungen über die Kolonialgeschichte und jahrhundertelange ungleiche Machtverhältnisse zwischen dem Norden und dem Süden.

Es geht also nicht allein um eine - politisch und/oder juristisch motivierte - Restitution der Objekte selbst, es geht auch um die Rückgabe von pluralen Erinnerungen und Narrativen.

Diese mannigfaltigen Geschichten zu erzählen, ist das Ziel dieser Reihe.

Vier „Dinge“ stehen im Blickpunkt der Ausstellung:

- eine Maske der Haida von der Westküste Kanadas gelangte 1903 in die Museumssammlung. Sie wurde gesammelt zu einer Zeit, als die Haida zunehmend unter dem Druck des Indian Act (eines 1876 erlassenen kanadischen Gesetzes) litten: sie und ihr Land wurden immer weiter unter staatliche Kontrolle gestellt, ihre Zeremonien wurden untersagt, rituelle Objekte beschlagnahmt. Vielleicht auch dieses?

- 1908 erwarb das RJM einen mumifizierten Kopf Toi Moko aus Neuseeland. Zu dieser Zeit war ein solcher Kopf eines der meist begehrten „Sammlungsobjekte“ ethnologischer Museen, so dass ein richtiger Markt für solche Köpfe entstand. 2018 wurde er an Neuseeland zurückgegeben – nicht mehr als „Museumsobjekt“, sondern als ein Vorfahre.

- ein  Anhänger in Form eines Leoparden war Teil der aus Tausenden von kostbaren Kulturgütern bestehenden kolonialen Kriegsbeute, die 1897 bei der britischen Strafexpedition im Königreich Benin (Nigeria) und der Zerstörung des Königspalastes gemacht wurde. Die Kriegsbeute wurde nach London gebracht, verkauft und über die ganze Welt verstreut. Der Anhänger wurde 1944 in die Sammlung des RJM aufgenommen. Das RJM bewahrt heute 96 Kulturgüter aus dem Königreich Benin.

- der Kopf einer Steinskulptur des Tempels in Prasat Bakong, Kambodscha, die die Gottheit Vishnu darstellt, wird in den sechziger Jahren abgetrennt und von der Tempelanlage entfernt. Dies geschah im Kontext schwerer politischer Unruhen, die Kambodscha in der Folge in einen blutigen Bürgerkrieg stürzten. Seit 1986 ist der Kopf der Vishnu Skulptur in der Sammlung des RJM. Seine Rückkehr ins Herkunftsland ist nicht ausgeschlossen.

„Gemeinsam ist diesen Dingen als rituellen, sakralen Objekten, dass sie im Kontext von Krieg und politischer Instabilität, von Gewalt und Unterdrückung in die Museumssammlung gelangt sind. Als verstümmelte Dinge haben sie eine unvollendete Geschichte, und so stehen wir vor einem Puzzle, dessen Teile erst zusammengefügt werden müssen.“

Nanette Snoep, Direktorin Rautenstrauch-Joest-Museum, Sommer 2020

 

INTERAKTIVES KINDER- UND FAMILIENPROGRAMM

Die Schatten stehen in der Ausstellung Die Schatten der Dinge #1 für die Bedeutung, die die Dinge für uns haben, die wir ihnen verleihen und für die Kontexte, die sie ursprünglich hatten und wie wir sie heute sehen.

Die Ausstellung ist räumlich in verschiedene Bereiche eingeteilt, in denen sich die Bedeutungen der vier ausgestellten Gegenstände auf unterschiedliche Weise entdecken lassen. Die geheimnisvolle nur spärlich ausgeleuchtete, schattenhafte Atmosphäre des Innenbereichs steht im Kontrast zur nüchternen Helligkeit des Außenbereichs. Hier werden die Provenienz, der geographische und kulturelle Kontext sowie die Frage, wie die Objekte zu Museumsgegenständen werden, zum Thema.

Eine räumlich angegliederte Kinderstation soll die jungen Besucher*innen einladen, ihrer durch die Ausstellung angeregten Phantasie Ausdruck zu verleihen.

PROGRAMM

Jedes Wochenende, samstags und sonntags - 11 bis 17 Uhr - stehen Livespeaker vor Ort zur Verfügung. Sie beantworten Fragen, geben Hinweise und betreuen die vielfältigen kreativen Angebote im Werkraum sowie das Schattentheater Der Dinge.

Donnerstag, 17.09 – 18.30 Uhr
Objekte unter der Lupe
Der Sammlungsreferent für Ozeanien Dr. Oliver Lueb beleuchtet im Gespräch mit Rebecca Burke, einer Kulturwissenschaftlerin mit Schwerpunkt Neuseeland und Maori Kultur, von den Hintergründen der 2018 erfolgten Restitution des Toi Moko an das Te Papa Museum in Neuseeland.

Samstag 19.09. und 10.10 – jeweils 15 bis 17 Uhr
Junge Entdecker: Schatten der Lieblingsdinge
Endlich hast du eine Gelegenheit, dein Lieblingsding mit ins Museum zu bringen! Und was machst du dort damit? Du kannst mit seinen Schattenseiten spielen, seinen Schatten ausschneiden und damit im Schattentheater experimentieren.

Donnerstag, 01.10. – 18.30
Meet the Director! Im Gespräch mit Nanette Snoep über den Anlass der Ausstellung.

Sonntag, 04.10. - 15 Uhr
Führung durch die Ausstellung mit Nanette Snoep, Direktorin des RJM

Freitag, 16.10 – 10 bis 13 Uhr
Ferienworkshop für Kinder: Die Schatten der Lieblingsdinge
Wie kommen die Dinge ins Museum und was ist in ihren Schatten verborgen?

Samstag, 24.10 – 15 Uhr
Führung durch die Ausstellung mit Vera Marušic, Projektleiterin der Ausstellung

Sonntag, 25.10 – 11 Uhr
Familienführung: Entdeckungsreise ins Reich der Schatten
Durch die Ausstellung führst du deine Eltern oder andere Erwachsene, nicht umgekehrt. Du kannst mit ihnen den abenteuerlichen Weg der Objekte ins Museum herausfinden und über die Rückgabe von Museumsobjekte an ihre ursprünglichen Besitzer diskutieren.

VERSCHOBEN:
Donnerstag, 29.10 – 18.30 Uhr
Objekte unter der Lupe
Mit der Sammlungsreferentin für Asien Dr. Annabelle Springer im Gespräch über den kambodschanischen Vishnu-Kopf. 
Diese Veranstaltung wird coronabedingt verschoben. 

Samstag, 07.11., 15-17 Uhr
Die jungen Entdecker: Die Schatten der Lieblingsdinge
für Kinder ab 8 Jahren | max. 9 TN | kostenfrei | Anmeldung bis 05.11. unter service.museumsdienst@stadt-koeln.de oder Tel.: (0221) 221 24077

Samstag, 21.11., 15-17 Uhr
Die jungen Entdecker: Die Schatten der Lieblingsdinge
für Kinder ab 8 Jahren | max. 9 TN | kostenfrei | Anmeldung bis 19.11. unter service.museumsdienst@stadt-koeln.de oder Tel.: (0221) 221 24077

Samstag, 19.12., 15-17 Uhr
Die jungen Entdecker: Die Schatten der Lieblingsdinge
für Kinder ab 8 Jahren | max. 9 TN | kostenfrei | Anmeldung bis 17.12. unter service.museumsdienst@stadt-koeln.de oder Tel.: (0221) 221 24077

 

 

 

Öffnungszeiten & Adresse

Cäcilienstraße 29-33
50667 Köln
Telefon 0221 / 221 - 313 56
rjm@stadt-koeln.de

Di-So 10-18 Uhr
Do 10-20 Uhr
1. Do im Monat: 10-22 Uhr
(an Feiertagen 10-18 Uhr)
Mo geschlossen

Weiberfastnacht (Donnerstag) bis Rosenmontag geschlossen

Impressum / Datenschutz

Öffnungszeiten & Adresse

Cäcilienstraße 29-33
50667 Köln
Telefon 0221 / 221 - 313 56
rjm@stadt-koeln.de

Di-So 10-18 Uhr
Do 10-20 Uhr
1. Do im Monat: 10-22 Uhr
(an Feiertagen 10-18 Uhr)
Mo geschlossen

Weiberfastnacht (Donnerstag) bis Rosenmontag geschlossen

Impressum / Datenschutz