22. Mai bis 7. November 2021

Rautenstrauch-Joests Katze

Das Kratzen an der Black Box kolonialer Fotografien - eine kollaborative Arbeit der Artist Meets Archive Künstlerin Yasmine Eid-Sabbagh

Artist Meets Archive #2 ist das zentrale Programm des Internationalen Photoszene Festivals 2021, mit dem die bedeutende Vielfalt und Qualität der Fotografie in den Sammlungen und Archiven der Stadt durch den Austausch mit internationalen Künstler*innen sichtbar gemacht wird. Neben dem Rautenstrauch-Joest-Museum öffnen das Rheinische Bildarchiv Köln, das Zentrale Archiv des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, das Deutsche Tanzarchiv Köln und die Stiftung des Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchivs ihre Sammlungen und Archive für ein gemeinsames Projekt. 

Artist Meets Archive #2 findet im Mai 2021 zum zweiten Mal in Kooperation mit der Internationalen Photoszene Köln im Rautenstrauch-Joest-Museum statt. Die Künstlerin Yasmine Eid-Sabbagh, die im Sommer 2020 für ein Artist Residency Programm das Museum und das Fotografische Archiv erforscht hat, wird ihr kollaborativ erarbeitetes Werk in der Dauerausstellung des Museums präsentieren.

Eid-Sabbagh setzt sich mit der fotografischen Sammlung auseinander, die seit ihrer Digitalisierung konservatorisch verpackt in eigens geschaffenen Aufbewahrungsboxen aufbewahrt wird. Mit den Digitalisaten hat die Sammlung zwar eine virtuelle Mobilität erhalten, allerdings können ihre physischen Objekte von der Öffentlichkeit aktuell nicht angesehen werden. Die Arbeit hinterfragt das Fotografische Archiv an sich und die Wirkmächtigkeit, die von diesem ausgeht.

In diesem Zusammenhang initiierte die Künstlerin eine kollektive Arbeit mit Akteur*innen aus der Kunst und Kulturszene Kölns, die verschiedene Positionen zu diesem Archiv bezogen haben. Die gemeinschaftliche Arbeit verhandelt Fragen zum Eigentum des Archivs, zu der Zugänglichkeit und zum Umgang mit den sensiblen und gewaltvollen Bildern sowie mit den gesamten Beständen. Die Suche und Frage nach Mitsprachelösungen im Umgang mit dem visuellen kolonialen Erbe sind diesbezüglich zentral. Darin verbinden sich verschiedene Stimmen und Narrationen, die die Handhabung mit dem sensiblen fotografischen Material in sozialen, kulturellen und politischen Kontexten reflektieren.

Über die Künstlerin

Yasmine Eid-Sabbagh studierte Geschichte, Fotografie und visuelle Anthropologie in Paris. 2018 promovierte sie am Institut für Kunsttheorie und Kulturwissenschaften der Akademie der bildenden Künste in Wien. Seit 2008 ist sie Mitglied der Arab Image Foundation.

Sie verbindet Forschung, Gesprächs-, Bild- und (Meta-) Archivierungspraktiken, um über die Wirkungsweise von Fotografien im Spannungsfeld von Kollektivität und Macht zu reflektieren. Eines ihrer Langzeitprojekte versucht anhand eines Verhandlungsprozesses um ein potentielles digitales Archiv, das in Zusammenarbeit mit den Bewohnern von Burj al-Shamali, einem palästinensischen Flüchtlingslager in der Nähe von Tyr, Libanon, zusammengestellt wurde, die Unmöglichkeiten von Repräsentation, zu untersuchen.